Berlin kocht ayurvedisch mit Georgia Valeria

Moabit

Das gibt es heute

Bunt wie die Obststände der Turmstraße, rau wie der Winter in Berlin: Moabit ist einer der authentischsten Bezirke der Hauptstadt. Sushi-Lokale, Rooftop-Bars oder chice Clubs sucht man in Moabit zwar vergeblich, urige Kneipen gibt es aber allemal. Kein Glitter, kein Glamour, der fancy Cocktail weicht dem bodenständigen Bier, doch unsere Gastgeberin Georgia Valeria liebt ihren Kiez genau deswegen. Heute zeigt sie uns, wie man Geist und Körper mit ayurvedischem Essen verwöhnt, um genau wie Moabit selbst auch in turbulenten Zeiten am Boden zu bleiben.

Kichererbsensuppe mit roter Bete an Chicorée Salat mit Äpfel und Walnüssen

Bereits die Fahrt in der S-Bahn prägt den ersten Eindruck des authentischen Berliner Bezirks Moabit. Kurz vor unserer Endstation Bellevue springt ein Mann mit seiner Gitarre in unser Abteil. Aus seinen Jackentaschen zieht er noch Flöte und Rassel und lässt dann seine raue Stimme in tiefstem Berliner Dialekt erklingen. Er singt über Moabit. Fast wirkt es wie eine Liebeserklärung an den Bezirk. An der Haltestelle Bellevue steigen wir aus und nähern uns unserem Ziel: Berlin kocht heute bei Georgia Valeria im westfälischen Viertel.

Siemensstrasse_CR_Marisa-Reichert-023

Georgia Valeria wurde in Oldenburg geboren, machte eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete im Krankenhaus, bevor es sie 2010 in die Hauptstadt verschlug. Dem Bedürfnis folgend, sich weiterzuentwickeln, begann sie hier das Masterstudium der Europäischen Ethnologie. Nebenbei arbeite sie weiterhin in ihrem Beruf, weil ein Studium auch finanziert werden müsse, erklärt sie uns, während sie den Salat für das ayurvedische Essen putzt. Für Georgia Valeria kam für ihr Vorhaben nur Berlin in Frage. „Wenn schon die Heimat verlassen, dann aber auch richtig“, lacht sie und rührt in der roten Suppe, die schon bald serviert werden kann.

Georgia-bereitet-den-Salat-vor

Durch ihr Studium entdeckte sie nach und nach ihr ausgeprägtes Interesse an alternativer Medizin. Sie experimentierte mit Homöopathie und chinesischer Medizin, Tai Chi und Yoga. Nicht nur, dass ihr zunehmendes Wissen über den menschlichen Energiehaushalt und dessen Wechselwirkung mit unserer Ernährung ihre Anfälligkeit für Migräne und Erkältung minderte, sie bekam auch ein nachhaltig besseres Körpergefühl. Entsprechend vertiefte sie sich in das Thema Essen und landete schließlich bei Ayurveda: die älteste ganzheitliche Heilkunst der Menschheit. „Du bist, was du isst“, erinnert uns unsere Gastgeberin und wir werden immer neugieriger auf das bevorstehende Mahl. Die ayurvedische Lehre besagt, dass eine gute Mahlzeit alle sechs Geschmacksrichtungen ansprechen muss, damit wir zufrieden satt werden. Entsprechend gibt es heute: Kichererbsensuppe mit roter Bete an Chicorée Salat mit Äpfel und Walnüssen. Zum Nachtisch werden uns Energiebällchen aus Haferflocken, Walnüssen und Feigen serviert. Dazu reicht Georgia Valeria die sogenannte goldene Milch.

Sesam-auf-Chicoree-Salat

Unser Interview mit Georgia Valeria

Hey Georgia Valeria, was machst du gerade?

Ich schaue gerade, wie weit unsere Kichererbsensuppe ist. Ich glaube, sie ist fast fertig. Wichtig bei der Zubereitung ist, dass die Schale der roten Beete nicht entfernt wird, weil die meisten Vitamine dort stecken. Vorausgesetzt man kauft Bio-Produkte natürlich.

georgia-valeria-schneidet-die-zutaten

Wenn ihr die Suppe mal nachkochen wollt, würde ich empfehlen, erst einmal alles vorzubereiten. Also die rote Beete waschen und würfeln, die Zwiebel klein schneiden, Fenchelsamen mörsern und so weiter. Ach ja, ganz wichtig ist natürlich, dass die Kichererbsen einen Tag vorher eingeweicht werden müssen. Ansonsten bin ich selbst gespannt, wie es schmeckt. In der Art hatte ich es bisher nicht gekocht. Ich richte mich ja nie nach Rezepten, sondern koche mehr intuitiv. Sprich, das Gericht entwickelt sich beim Kochen (lacht). Heute ist es auch wieder so, dass ich nicht wirklich weiß, was dabei rauskommt.

Es riecht auf jeden Fall sehr lecker! Warum ist das Gericht für dich besonderes und gibt es vielleicht eine Geschichte dazu?

Mhm, nicht wirklich. Aber eigentlich ist jedes meiner Gerichte besonders, weil ich ja meistens nicht weiß, was dabei herauskommt. Wenn ich Glück habe, wird es wie angedacht. Meistens werde ich aber überrascht (lacht).

Was ich allerdings schon festgestellt habe, ist, dass ich tolle Ergebnisse bekomme, wenn ich mich gutgelaunt ans Werk mache und eher schlechten Geschmack, wenn ich gestresst und mies gelaunt koche. Entsprechend müsste es heute gut werden (lacht).

Georgia-Valeria-beim-Essen

Kochen ist im Allgemeinen eine schöne Metapher für das ganze Leben. Für dieses Gericht habe ich mich auch wieder treiben lassen. Zunächst schaue ich, was ich daheim noch habe. Beispielsweise habe ich immer Hülsenfrüchte da, so wie andere vielleicht Pasta. Dann ziehe ich los und versuche weitere Komponenten passend zur Jahreszeit zu finden. Ich versuche immer regional und saisonal einzukaufen, das tut mir gut und der Welt ebenso (lacht). Heute bin ich dabei eben auf rote Beete gestoßen. Gerade am Ende des Jahres ist es bei den meisten Menschen noch einmal richtig stressig. Fenchel wirkt beruhigend auf unsere Konstitution, ich fand das entsprechend sehr passend für mein Gericht heute.

Vielen Dank, wir fühlen uns auch schon maximal bodenständig. Kann man eigentlich gut in Moabit Essen gehen? Gibt es vielleicht sogar typische Moabiter Küche?

Klar kann man in Moabit gut essen gehen. Meistens koche ich zwar selbst, aber leckere Alternativen zur Hausmannskost gibt es hier allemal. Zum Beispiel ist der vietnamesische Imbiss Tônis richtig lecker. Dort wird alles frisch zubereitet, aber vor allem ist die Atmosphäre in dem Restaurant toll. Der Service ist immer freundlich, selbst wenn der Laden aus allen Nähten platzt. Es duftet regelrecht himmlisch dort, nach orientalischen Gewürzen und leckerem asiatischen Essen. Zur Begrüßung gibt es immer einen Tee. Der Laden ist wirklich eine kleine Perle in meinem Kiez. Die Crunch Kantine in der Siemensstraße ist aber auch super. Es ist ein vegetarisches Restaurant, wo ich gerne und oft hingehe. Als Veggie freut man sich immer über kreative, rein pflanzliche Küche, mittlerweile ernähre ich mich ja bereits seit 20 Jahren vegetarisch.

crunch-kantine

Hast du einen Lieblingsladen in Moabit?

Abgesehen von meinem Vietnamesen und der Crunch Kantine, mag ich besonders den Grünen Laden. Das ist ein kleiner Bioladen am Ufer, Ecke Krefelder Straße mit einer sehr guten Auswahl an Lebensmitteln. Toll finde ich aber vor allem, dass die Inhaber auf individuelle Kundenwünsche eingehen. Es ist mir schon ab und an passiert, dass ich etwas Bestimmtes gesucht habe, was sie nicht im Angebot hatten. Die Belegschaft dort hat es dann einfach aufgeschrieben und für mich bestellt. Fand ich wirklich toll. Das Angebot des kleinen Ladens richtet sich entsprechend auch nach den Kundenwünschen, dadurch bekommt das Geschäft etwas Persönliches.

Das Fiaker in meinem Kiez ist mein Lieblingskaffee und gleich daneben findet man meine liebste Bäckerei hier: das Domberger Brot-Werk. Da wird das Brot noch von Hand gemacht und das kann man schmecken!

Hört sich nach einem Geheimtipp an! Was magst du am liebsten an deinem Kiez?

Ach, ich finde es einfach so schön unaufgeregt hier. Ich lebe nun seit 6 Jahren in Moabit und fühle mich immer noch richtig wohl. Man bekommt von allem etwas geboten. Sehenswerte Galerien, viele originelle Einzelhändler, beeindruckende Kunstläden und nicht zuletzt ist die Lage auch toll. Die S-Bahn ist glücklicherweise ganz in der Nähe. Von der S-Bahnstation Tiergarten beispielsweise kommt man schnell ins Grüne: Wannsee, Krumme Lanke und so weiter. Wenn man lieber feiern will, dann steigt man einfach in Richtung Friedrichshain ein und macht die Nacht zum Tag (lacht). Ich habe hier eine schöne ausgewogene Mitte, direkt am Tiergarten. Ich denke, das mag ich am meisten an meinem Kiez.

Hängematte Berlin

Mein Lieblingsort ist mein eigener Platz an der Spree (lacht). Im Sommer packe ich mir meine Hängematte ein und befestige sie zwischen zwei Bäumen dort. Einfach ein gutes Buch lesen, die Seele baumeln lassen und den vorbeifahrenden Tourischiffen zuschauen, das ist wirklich Gold wert. Es ist entspannend und schön. Man hat inmitten der Großstadt diese Behaglichkeit, die es sonst nur in kleineren Städten gibt, aber in meinem Kiez ist eben beides möglich.

Und Berlin liebst du, weil…

Berlin war für mich die Liebe auf den zweiten Blick. Man muss erst mal hier ankommen und die vielen kleinen Details der Stadt erkunden, um die Hauptstadt wirklich zu mögen und zu kennen. Du kannst in Berlin ungestört alleine sein und findest trotzdem immer Anschluss, wenn du das möchtest. Das ist auch toll. Außerdem mag ich die kulturelle Vielfalt der Stadt. Gerade über das Kochen wird man hier sehr bereichert. Beispielsweise stammt meine Nachbarin aus Palästina und wenn ich leckere Essensgerüche aus ihrer Küche wahrnehme, dann frage ich gerne mal nach. Das ist inspirierend und erweitert meinen kulinarischen Horizont (lacht). Und ist es nicht auch das, was im Leben generell satt macht? Ich meine, das Gefühl durch eine Begegnung bereichert worden zu sein? Ich zumindest finde das schon. Gerade in der Hinsicht bereichert Berlin jeden Tag aufs Neue.

Hast du als alteingesessene Moabiterin Insider-Tipps für neu Zugezogene?

Ich bin ja fasziniert von der Turmstraße. Es ist ein einziges Gewusel aus allem Möglichen. Beispielsweise lassen sich dort zwei große orientalische Märkte zwischen BIO-Supermärkten und kleinen Ramsch-Läden finden. Imbisse gibt es auch jede Menge. Ich finde, dass die Turmstraße einen repräsentativen Querschnitt Berlins darstellt. Es ist total spannend. Die Galerie Würtenberger und Claudia Hartwig in der Elberfelder Straße sind auch sehr empfehlenswert, zumindest, wenn man Kunstbegeistert ist (lacht). Und dann gibt es noch ganz bei mir in der Nähe ein schönes Yogastudio, die Yogaschule und Galerie Petersen. Dort wird Vini-Yoga und Hatha-Yoga unterrichtet, beide Arten des Yogas orientieren sich an individuellen Erfahrungen und Bedürfnissen der Yogaübenden.

Lieben Dank, Georgia Valeria! Wir sind schon fast am Ende. Verrätst du uns noch, wie dein persönliches 2017 aussieht? Schließt du den Master ab?

Ich hoffe (lacht)! Aber vor allem soll mein 2017 achtsam und genussvoll werden. Ich will mich weiter mit dem Thema Ernährung beschäftigen, weil ich bisher so viele gute Erfahrungen gemacht habe. Ich erinnere mich noch, wie ich mich entschloss, künftig zum größten Teil regional einzukaufen und meine Ernährung an die Jahreszeiten anzupassen (lacht). Ich stand im Supermarkt und durch unser Überangebot war ich völlig überfordert.

Mir wurde auf einmal klar, dass ich gar nicht wusste, was zur Jahreszeit passt und welche Lebensmittel eigentlich regional sind. Entsprechend fing ich an, mich reinzufuchsen und bereut habe ich das nie. Die ayurvedische Lehre hat mir dabei sehr geholfen. Ayurveda ist ja die älteste ganzheitliche Heilkunst der Menschheit. Eines der Kernstücke des ganzheitlichen Gesundheitssystems Ayurveda ist die Ernährungslehre, auch Küchenmedizin genannt. Abgestimmt auf den jeweiligen Konstitutionstypen sorgen die passenden Lebensmittel für einen gesunden Körper und einen ausgeglichenen Geist. Und genau das möchte ich für mich auch nächstes Jahr erreichen: Mein gesunder Geist in meinem gesunden Körper und wenn möglich, das Ganze in einer gesunden Welt (lacht).

Das Rezept

Zutaten für 2 Portionen
Zubereitungszeit: ca. 30 min

Für den Chicoree-Salat

2-3 Chicoree-Köpfe
1 Apfel (saure Sorte)
1-2 Karotten
Handvoll Walnusskerne
Dressing: Salz, Pfeffer, Balsamico Essig, Sesamöl und Hanföl

Zubereitung Chicoree-Salat:

1. Chicoree-Köpfe waschen und kleinschneiden, eine Handvoll Walnusskerne mit den Fingern zerkleinern und darüberstreuen
2. Für das Dressing: Salz, Pfeffer, Balsamico Essig, je 1 EL Sesamöl und Hanföl vermischen. Wer keinen Essig mag, kann auch Zitrone nehmen.

Chicoree-Salat

Für die Kichererbsensuppe mit Roter Beete

250 g Kichererbsen
1-2 Knollen Rote Beete
1 Zwiebel
1 EL Fenchelsamen
Zimtpulver, Assafoetida, Pippalipfeffer

Zubereitung Kichererbsensuppe mit Roter Beete:

1. Kichererbsen am Vortag mit Wasser bedecken und einweichen.
2. Rote Beete waschen, den Strunk auf beiden Seiten abschneiden und die Knollen würfeln.
3. Zwiebel kleinschneiden und mit fein gemörserten Fenchelsamen in etwa 2 EL Sesamöl anschwitzen.
4. Die gut abgespülten Kichererbsen und die Rote Beete dazugeben und mit warmem Wasser aufgießen. Eine Stange Zimt oder Zimtpulver und Assafoetida mit in das Kochwasser geben.
5. Ein Stück Pippalipfeffer mörsern und nach und nach dazugeben.
6. Auf kleiner Flamme köcheln lassen. Wenn Kichererbsen und Rote Beete gar sind, einen kleinen Teil herausnehmen, pürieren und ihn anschließend wieder zur Suppe geben. Gut verrühren und dann mit Salz abschmecken.

Kircherbsensuppe-mit-roter-Beete

Für die Goldene Milch:

1 daumengroßes Stück frisch geraspelter Kurkuma
Ingwer
1 TL schwarzen Pfeffer
1-2 EL Kokosöl
EL Mandelmus,
2 Datteln,
Prise Salz
500 ml Wasser
Zimt, Safran, Kardamom nach Geschmack

Zubereitung Goldene Milch:

1. Ein ca. daumengroßes Stück frisch geraspelter Kurkuma (Achtung: färbt die Finger gelb-orange, wer danach noch schick sein möchte, sollte sich Handschuhe anziehen!) oder alternativ ein EL Kurkumapulver, sowie ein ca. 2 cm großes Stück geraspelten Ingwer und 1 TL schwarzen Pfeffer langsam mit warmem Wasser aufgießen und erhitzen bis eine Paste entsteht. Nach Bedarf 1-2 EL Kokosöl und zusätzliche Gewürze wie Zimt, Safran, Kardamom nach Geschmack zugegeben.
2. Die Paste in ein gut ausgespültes Glas geben und anschließend im Kühlschrank aufheben. Wird Öl verwendet, dann wird die Paste im Kühlschrank unter Umständen etwas fester, aber bei Zimmertemperatur wieder gut streichbar.
3. Die Milch zusammen mit einem TL bis zu einem EL der Paste erhitzen, bis sie gold wird.

Goldene-Milch

Für die Feigen-Walnussbällchen:

80 g Walnusskerne
80 g gewürfelte Trockenfeigen
100 g Haferflocken
2 EL geschmolzenes Kokosöl
1 TL Zimt und Kurkuma
2 EL Ahornsirup

Zubereitung Feigen-Walnussbällchen:

1. 80 Gramm Walnusskerne und Trockenfeigen im Mixer zerkleinern.
2. 100 Gramm Haferflocken mit ca 2 EL geschmolzenem Kokosöl sowie je 1 TL Zimt und Kurkuma und einer Prise Salz vermengen.
3. Die Nuss-Fruchtmasse unterheben und alles gut verrühren.
3. 2 EL Ahornsirup beigeben und mit befeuchteten Händen kleine Kugeln formen. Im Kühlschrank können die Bällchen dann einige Tage gelagert werden.

ayurvedisches-menue

GUTEN APPETIT!

whatsapp-broadcast-banner

Das könnte dich auch interessieren:


Berlin kocht veganes Pilzrisotto mit Julia Akra-Laurien von Noveaux

Fashion Bloggerin und Nouveaux Mag Herausgeberin Julia Akra-Laurien zeigt uns heute eines ihrer veganen Lieblingsrezepte.


Berlin kocht Chai-Bananen-Brot mit Isa & Julia von Zucker & Jagdwurst

Zwei Foodies im Prenzlauer Berg: Berlin kocht dieses Mal mit Isa und Julia von Zucker & Jagdwurst leckeres, veganes Bananenbrot!


Berlin kocht: Melissa von Breeding Unicorns backt Matcha-Kekse

Das Video zeigt dir, wie du Matcha-Kekse backst und sie zu grünen Keksbäumchen stapelst. Mit Anleitung und Rezept von YouTuberin Melissa Lee!

Fahrplan und Routenplaner

Finde mit dem Routenplaner deinen schnellsten Weg zu unseren Ausflugszielen

Share This