Berlin kocht Ingwer-Karotten-Suppe mit Lachs

Charlottenburg

Das Gericht: Ingwer-Karotten-Suppe mit Lachs

Im wunderschönen Charlottenburg treffen wir heute auf Jörg & David. Das frisch verheiratete Paar erwärmt unsere Herzen gleich mehrmals: Zunächst mit ihrer Geschichte, dann mit ihrer leckeren Ingwer-Karotten-Suppe mit Lachs.
>>Das Rezept findet ihr wie immer am Ende des Artikels.

Ingwer-Karotten-Suppe mit Lachs und einem Hauch Cointreau

Kaum setzen wir einen Fuß aus der S-Bahn-Station Charlottenburg in Richtung Kantstraße, stehen wir mitten im Geschehen. Die bunten Regenschirme und die gen Feierabend eilenden Menschen zeichnen ein erstes farbenprächtiges Bild des Kiezes. Während andernorts meist Imbissbuden rings um die S-Bahn zu finden sind, begrüßt uns in Charlottenburg der regionale Feinkostladen Anna vom Feld mit seinem schicken Café. Es ist nicht zu übersehen, Charlottenburg gehört zu den betuchteren Bezirken Berlins.

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Unser Weg führt uns weiter die beliebte Kantstraße entlang. Sie wurde als Berlins Chinatown bekannt, denn hier befindet sich die Hochburg asiatischer Kochkunst und Möbelherstellung. Wir passieren japanische Restaurants, thailändische Massagesalons und imposante, chinesische Antiquitätengeschäfte, bis wir den frisch sanierten Jugendstil-Altbau erreichen, in dem für uns heute leckeres Essen zubereitet wird. Berlin kocht heute bei Jörg Brückner und David Morales.
Die beiden heißen uns liebenswürdig willkommen und führen uns durch große, antike Flügeltüren in ihre Wohnung. Dabei fällt uns auf, dass sie nicht dem gängigen Klischee der Charlottenburger entsprechen. Kein Kaschmir-Pullover, der locker über das Polo-Shirt gebunden wurde, keine teuren Uhren am Handgelenk, keine wertvollen Gemälde an der Wand – dafür eine warme und urgemütliche Atmosphäre in geschmackvoll eingerichteten, geräumigen Zimmern. Ein Klischee bedienen die beiden allerdings schon: In Charlottenburg werden die meisten Ehen geschlossen.

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Jörg und David gaben sich im Frühjahr hier das Ja-Wort. Die frisch Verheirateten erzählen uns, wie die Liebe den weiten Weg über den Atlantik auf sich nahm, um in Berlin zur Ruhe zu kommen. David ist in Lateinamerika aufgewachsen. Der junge Künstler und Illustrator lebte bis vor einigen Wochen noch in Mexico-City. Schon vor drei Jahren haben Jörg und David sich online kennengelernt. Um David war es bereits im Chat geschehen, aber Jörg wollte keine Luftschlösser bauen. Er lächelt verlegen, als er von seinen anfänglichen Bedenken berichtet. Der ganze große Ozean lag zwischen ihnen, erklärt er uns, während er die Ränder des Cocktailglases mit Salz bestreut: Es gibt Margaritas zum Aperitif. An eine Beziehung zu denken, hätte er sich nicht gewagt. Jahrelang hielten sie dennoch Kontakt, bis David schließlich die Zügel in die Hand nahm und sich auf den Weg nach Berlin machte. Bei ihrer ersten Begegnung am Flughafen, verlor dann auch Jörg alle Bedenken.

Ganz alleine leben die beiden allerdings nicht. Ihr junger Mitbewohner floh aus Syrien und baut sich zurzeit ein neues Leben in Berlin auf. Die drei verstehen sich blind und Platz genug ist allemal in der Charlottenburger Altbauwohnung, ergänzt Jörg während David den Tisch herrichtet. Das Essen ist fast fertig. Es gibt Ingwer-Karotten-Suppe mit Lachs und einem Hauch Cointreau.

Jörg, David und ihr Zögling.

Unser Interview mit Jörg und David

Hey Jungs, was macht ihr gerade?

Jörg: Ich püriere die fast fertige Suppe. Es ist ganz einfach!

David: Und ich muss noch mal los, weil Jörg immer etwas vergisst beim Kochen (lacht).

Jörg: Ja (lacht). Ich habe tatsächlich den Lachs vergessen. Die wichtigste Zutat, typisch. Die klein geschnittenen Karotten und den Ingwer lasse ich schon seit einer Stunde mit etwas Gemüsebrühe köcheln, das ist auch schon das aufwendigste an dem Gericht. Danach wird alles püriert, der Lachs kommt dazu und am Ende ein kleiner aber feiner Schuss Cointreau. Alles ohne Rezept, weil ich improvisiere (lacht)!

Warum ist das Gericht für euch etwas Besonderes und gibt es vielleicht eine Geschichte dazu?

Jörg: Es sieht super aus. Es schmeckt und die Suppe ist ganz simpel zuzubereiten. Mehr nicht.

David: Jetzt hör schon auf (lacht)! Das Gericht ist unsere Liebes-Suppe. Es ist das erste Gericht, das Jörg für mich kochte. Damals, als wir vom Flughafen nach Hause kamen, hat er sie uns zum Abendessen gemacht. Ich erinnere mich genau, wie wohl und willkommen ich mich fühlte. Das war wirklich wunderschön. Auf unserer Hochzeit gab es auch genau diese Suppe!

Jörg: Stimmt (lacht).

Eine Karotten-Ingwer-Liebes-Suppe, wie toll! Kann man eigentlich gut in Charlottenburg Essen gehen? Gibt es vielleicht sogar typische Kiez-Küche?

Jörg: Asiatisch ist hier ganz groß. Das liegt vielleicht daran, dass die chinesische Botschaft hier ansässig war. Thailändisches Essen ist auch weit verbreitet: Das Pho Nguyen 68 am Savignyplatz ist sehr empfehlenswert. Typisch an Charlottenburg ist die deftige Küche, wie zum Beispiel Bouletten. Im Haus der 100 Biere am Ku’Damm lässt es sich wunderbar traditionell essen.

David: Italiener gibt es aber auch jede Menge. Hier um die Ecke ist beispielsweise eine tolle Pizzeria, Portofino. Da gehen wir immer wieder sehr gerne hin.

Habt ihr einen Lieblingsladen in Charlottenburg?

Jörg: Ja! Der Goldene Löffel in der Kantstraße. Der Laden hat 24 Stunden auf und man trifft den ganzen Kiez dort. Von der Prostituierten bis zu bekannten Politikern, ausnahmslos finden sich alle irgendwann im Goldenen Löffel ein. Das ist fantastisch.

David:Ich mag Aqui España sehr gerne. Das ist ein Fachhandel für exquisite Weine und Feinkost. Und Anna vom Feld, da kaufe ich auch sehr gerne ein. Der kleine Laden verkauft regionale, qualitativ hochwertige Produkte. Ein gemütliches Café haben sie auch, liegt direkt an der S-Bahn.

Was mögt ihr am liebsten an eurem Kiez?

David: Ich mag, dass sich hier alles um Kunst dreht und dass es so schön unaufgeregt ist. Im Vergleich zu Neukölln oder Kreuzberg findet man mehr Ruhe, alles ist gesetzter und langsamer. Das mag ich. Es gibt hier so viele tolle Antiquitätengeschäfte, alles ist grün und ich stehe total auf das Schloss (lacht).

Jörg: Anfang der 90er Jahre hat es mich hierher verschlagen. Gar nicht mal so freiwillig (lacht), aber jetzt will ich nicht mehr weg aus meinem Kiez. Die Menschen mag ich am liebsten. Es ist eine angenehme Mischung aus den unterschiedlichsten Schichten der Gesellschaft. Außerdem kann man hier dem Jugendwahn entgehen. Anders, als in den In-Bezirken, wohnen in Charlottenburg Leute jeden Alters. Mir gefällt das sehr.

Und Berlin liebt ihr, weil…

David: Freiheit! Kunst! Und die Menschen. Ich mag, wie sie miteinander umgehen. Die Offenheit hat mich besonders beeindruckt. Ich erinnere mich gerne, an meinen ersten Berlin-Besuch. Ich saß irgendwo und wartete auf Jörg, als mich jemand ansprach. Ich verstand zu dem Zeitpunkt noch kein Wort Deutsch und war erst skeptisch. In Mexiko ist das nämlich nicht so üblich, dass man einfach angesprochen wird. Im Laufe des Gespräches fand ich heraus, dass der Typ, der mich ansprach, sich einfach nur unterhalten wollte. Ich hatte ihn neugierig gemacht und er wollte wissen, wo ich herkomme. Das war der Hammer! In Berlin herrscht eine Menschlichkeit, die man sonst auf der Welt schwer findet.

Jörg: Da kann ich nur zustimmen. Ich mag auch das Raue an Berlin. Das ewig Unfertige der Stadt ist sehr spannend. Alles ist in Bewegung, wie ein Fluss. Man kann sich in dieser Stadt ständig neu erfinden und das hält einen jung.

Jörg und David beim Essen.

Jörg, hast du als alteingesessene Charlottenburger Insider-Tipps für David?

Jörg: Da er sich für Kunst interessiert, empfehle ich ihm natürlich Galerien. Beispielsweise die Crossover Galerie ART-Stalker in der Kaiser-Friedrichs-Straße. Es ist eine Bar und gleichzeitig wird sie als Galerie genutzt. Dort gibt es Live-Musik und viele aus der Kunstszene finden sich dort ein. Es stellt eine Art Meet& Greet der Künstler hier im Kiez dar. Außerdem habe ich ihm empfohlen, viel spazieren zu gehen und die Augen dabei offen zu halten. Dabei lässt sich die Stadt am besten erkunden. Ich habe bei einem solchen Spaziergang einen kleinen Laden in der Pestalozzistraße entdeckt. Ein Traum für Cineasten. Betritt man den Laden, fühlt man sich direkt in ein anderes Jahrhundert versetzt. Im Grunde sage ich immer das Gleiche: Neugierig bleiben!

David: Kein Problem! Das bin ich von Natur aus (lacht)!

Lieben Dank, ihr zwei! Wir sind schon fast am Ende. Verratet ihr uns noch, wie euer persönliches 2017 aussieht?

David: Oh, ich habe viele Pläne. Leo soll bekannt werden! Das ist mein fiktiver Comic-Charakter. Bisher hatte ich keinen roten Faden in sein Leben gebracht. Aber nächstes Jahr will ich eine Geschichte um ihn herum bauen. Ich arbeite schon an dem Comic-Buch Leo. Auf meinem Blog und Instagram Account wird man dann sein Leben verfolgen können. Leo ist gerade nach Berlin gezogen (lacht).

Jörg: Ein wenig hat Leo ja autobiografische Züge…

David: Ja, das kann man nicht leugnen (lacht). Neben meiner Kunst ist mir meine ehrenamtliche Tätigkeit sehr wichtig. Ich engagiere mich für die Rechte Homosexueller und möchte versuchen eine Brücke zwischen Mexico-Stadt und Berlin zu bauen. Vielleicht könnten die Vereine zusammenarbeiten und sich austauschen, das wäre toll. Und ich will mit Jörg einen Schrebergarten!

Jörg: Oh nein (lacht)! Ich möchte einfach nur glücklich mit meinem Mann sein. Die Welt mit ihm entdecken und viele schöne Erfahrungen machen.

Das Rezept

Rezept für ca. 4 Personen
Zubereitungszeit: ca. 40 min

  • 500 g Karotten
  • Ingwer nach Geschmack
  • 250 g tiefgefrorener Lachs
  • 1 Spritzer Cointreau
  • Zucker, Meersalz, Pfeffer, Chili, Sahne

Zubereitung:

  1. Den Ingwer schälen und sehr fein würfeln, damit später, nach dem Pürieren, keine Fasern zu spüren sind. Die Möhren schälen und in dünne Scheiben schneiden.
  2. Möhren und Ingwer in Butter anschwitzen, dann den Zucker darüber streuen und leicht karamellisieren lassen. Mit der Gemüsebrühe ablöschen und aufkochen lassen.
  3. Die Suppe bei mittlerer Hitze etwa 20 Minuten köcheln lassen, dann mit dem Stabmixer fein pürieren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken, den klein geschnittenen Lachs dazugeben und weitere 15 min ziehen lassen, bis der Lachs gar ist. Zur Suppe kann man Toastbrot oder Baguette servieren.

Leckere Ingwer-Karotten-Suppe mit Lachs

GUTEN APPETIT!

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