Berlin kocht schottischen Fishcake

Mitte

Das gibt es heute

Ein Stückchen Schottland in Berlin: Berlin kocht dieses Mal bei Ryan O'Shea in Berlin-Mitte. Es gibt leckere Fishcakes, die jedem Schotten ein paar Heimweh-Tränen ins Auge zaubern werden.
>>Das Rezept findet ihr wie immer am Ende des Artikels.

Schottischer Fishcake

>Hipster gibt es in Berlin wie Sand am Meer, doch wer etwas auf sich hält, ist ein Mitte-Hipster: Die Münzstraße ist ihr Catwalk, das Kaffeemitte ihr Wohnzimmer und angesagte Modemarken ihre Religion. Sie strömen mit ihren Jutebeuteln über den Hackeschen Markt, versammeln sich in Röhrenjeans und Leggins von American Apparel auf dem Alexanderplatz und huschen, versteckt hinter riesigen Sonnenbrillen, an Scharen von Touristen vor dem Brandenburger Tor vorbei – kaum ein anderer Berliner Stadtteil wird vom Hipstertum so stark gezeichnet wie Berlin Mitte.

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Unser schottischer Gastgeber Ryan mag es dennoch oder gerade deswegen hier. Selbst würde er sich nicht als Hipster beschreiben, aber von gestern ist er natürlich auch nicht. Der gebürtige Schotte wuchs in der kleinen Stadt Dalry auf, ganz in der Nähe von Glasgow. Er studierte Architektur und lebte eine Weile in London, bevor er Berlin zu seiner Wahlheimat machte. Hier sah er die Möglichkeit, sein Leben nach seinen ganz eigenen Wünschen zu gestalten und er sollte Recht behalten: Zunächst arbeitete er als Englischlehrer, bevor er seine Veranstaltungskünste zu seinem beruflichen Mittelpunkt machte.

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Vor Kurzem begann seine Veranstaltungsreihe Exit through the language school: Eine gelungene Mischung von Live-Acts aus den Bereichen Musik und Literatur. Lesungen, musikalische Darbietungen und originelle Theaterszenen, die von professionellen Schauspielern aufgeführt werden, sind hier Programm. Die Räumlichkeiten der Veranstaltungsreihe wechseln, sind aber immer originell und über die ganze Stadt verteilt.

Ryan grinst über beide Ohren, als er uns von seiner letzten Veranstaltung erzählt. Einen kurzen Moment vergisst er darüber sogar den Teig, den er gerade durchknetet. Heute gibt es bei Ryan schottischen Fishcake.

Unser Interview mit Ryan

Hey Ryan, was machst du gerade?

Ich knete den Teig für mein Essen. Das Gericht heißt Fishcake. Dafür habe ich Kartoffeln gekocht und sie gut zerstampft. In den Kartoffelbrei habe ich dann frischen Schnittlauch und Petersilie, Salz und Pfeffer gemischt. Die letzte und wichtigste Zutat ist das zerkleinerte Fischfilet. Ich habe zwei Sorten Fisch gewählt. Es ist zwar unüblich, das zu tun, aber das ist eben meine persönliche Variante des Rezepts. Ich verwende geräucherten Lachs und Schollenfilet. Ursprünglich ist das ja ein Gericht, um Reste zu verwerten. Also passen auch verschiedene Fischsorten oder, für die Mutigen, Fischreste dazu (lacht). Auch nicht ganz typisch ist die Zucchini, die ich dafür verwende. Ich finde es aber lecker.

Als nächstes werde ich aus dem fertigen Kartoffelbreiteig den Fischkuchen formen. Am besten, man rollt den Teig zu Bällen. Sie sollten in etwa so groß sein, dass sie in eine Handfläche passen. Die kommen mit etwas Olivenöl in die Pfanne – ist zwar kein typisch schottisches Öl (lacht), ich mag es aber lieber. Jedes andere Pflanzenöl geht natürlich auch. Jetzt geht es los! Ran an den Herd. Wir braten den Fishcake.

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Hört sich trotz des nicht-schottischen Öls sehr schottisch an! Warum ist das Gericht für dich etwas Besonderes und gibt es vielleicht eine Geschichte dazu?

Ja und nein. Es ist ein großartiges Lunch-Gericht. Und ich mag Lunch sehr gerne, vor allem am Samstag – ganz entspannt. Das Essen erinnert mich ans Wochenende. Und klar, ein bisschen erinnert es mich auch an meine Kindheit. Irgendwie finde ich, dass Fisch und Kartoffeln Norddeutschland, Großbritannien und Skandinavien verbinden. Ich mag diese Vorstellung.

Kann man eigentlich gut in Berlin-Mitte Essen gehen? Gibt es vielleicht sogar typische Mitte-Küche?

Klar! Zum Beispiel in der Rosenthaler Vorstadt – Mr. Vertigo auf der Chaussestraße. Das ist mein absolutes Lieblingsrestaurant, wenn es um Lunch unter der Woche geht. A great working lunch! Berlin hat schon sehr viele gute low and medium price Restaurants. Das ist super, weil ich in jeder Preisklasse richtig gut essen gehen kann.

Hast du einen Lieblingsladen in Mitte?

Ja, zum Beispiel kaufe ich meinen Wein meist in der Weinerei in der Veteranenstraße. I mean the shop and not the wine bar. Sie haben eine exquisite Auswahl. Ich vertraue ihnen voll und ganz.

Ein anderer Lieblingsladen in meinem Kiez ist Ick koof mir Dave Lombardo wenn ick reich bin in der Zionskirch-/Ecke Veteranenstraße. Es ist ein Café und gleichzeitig eine Bar. Es ist dort ganz ungezwungen und gemütlich und im Sommer kann man schön draußen sitzen.

Das Restaurant, welches ich am häufigsten besuche ist allerdings W- Der Imbiss, in der Kastanienallee. Da gibt es die beste Pizza der Stadt (lacht). Außerdem liegt es super. Wenn man nach dem Essen noch in den Schönhauser Allee Arcaden einkaufen möchte, ist das ganz easy. Die S-Bahn-Station Schönhauser Allee ist direkt um die Ecke und man muss nicht lange seine Einkaufstüten schleppen. Wie abgestimmt. Toll!

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Was magst du am liebsten an Deinem Kiez?

Gute Frage. Mhm, am meisten mag ich es hier, weil ich schon fast 15 Jahre hier lebe. Ich wurde dadurch ein Augenzeuge des schnellen Wandels in meinem Kiez. Auch die Lage ist, wie gesagt, super. Ich mag außerdem, dass es hier so lebendig ist. Ich bin kein wirklicher Naturanbeter und brauche keine großen Grünanlagen um mich herum. Eine ruhige Nachbarschaft, macht mich eher unruhig. Deswegen ist mein Kiez perfekt für mich, inmitten des quirligen Lebens von Berlin-Mitte.

Und Berlin liebst Du, weil…

Berlin loves me or I love Berlin (lacht)? Eine Stadt zu lieben und in ihr zu wohnen, fühlt sich ein wenig wie eine Ehe an. Man muss einen langfristigen Blick auf die Dinge entwickeln und jeden Tag an der Beziehung arbeiten. Es kann unglaublich aufregend sein hier, aber auch weniger schöne Tage erlebt man in der Hauptstadt. Das ist allerdings okay. Ich habe mich zwischen so vielen tollen Städten für Berlin entschieden und das hat seinen Grund.

Hast du Insider-Tipps für neu nach Berlin-Mitte gezogene?

Oh, das ist eine schwierige Frage! Es gibt so viele Menschen, die sich schon vor Ankunft, als Insinder bezeichnen, dabei sind sie es ganz und gar nicht. Die Stadt muss man leben!

Aber die Torstraße würde ich dennoch empfehlen. Hier verlief die Mauer und ich finde, das kann man immer noch fühlen. Das alte und das neue Berlin.

Lieben Dank, Ryan! Wir sind schon fast am Ende. Verrätst du uns noch, wie dein persönliches 2017 aussieht? Kommt eine neue Veranstaltungsreihe?

Lots! 2017 sollte überhaupt ziemlich anders werden. Ich habe meinen festen Job in der Sprachschule gekündigt und möchte mich künftig nur noch meiner Leidenschaft widmen: kreative, innovative und unterhaltsame Veranstaltungen.

Rezept

Rezept für ca. 4 Personen
Zubereitungszeit: ca. 40 min

  • 1 Zwiebel, gewürfelt
  • etwas Butter oder Öl
  • 200 g Fisch nach Wahl, z. B. Thunfisch, Makrele oder Lachs (Dose)
  • 400 g mehlige Kartoffeln
  • 1 Ei
  • 1 TL Dill, gehackt
  • 2 TL Petersilie, gehackt
  • 1 Zitrone(n), in Viertel geschnitten
  • Etwas Mehl zum Bestäuben, Salz und Pfeffer, wahlweise kann auch Zucchini in den Teig eingearbeitet werden

Zubereitung Fishcake:

  1. Kartoffeln kochen und anschließend stampfen.
  2. Zwiebel schälen, würfeln und anschließend in heißer Butter bzw. Öl glasig anbraten.
  3. Den Fisch abtropfen lassen. Anschließend mit den Zwiebeln, Kartoffelbrei, Ei, Dill, Petersilie und wahlweise mit etwas Zucchini vermischen. Mit Salz und Pfeffer würzen.
  4. Aus dem Teig dann kleine Frikadellen formen und mit Mehl bestäuben. Nach Bedarf Butter oder Öl in der Pfanne zerlassen und die Fischbällchen darin von beiden Seiten goldbraun braten.

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GUTEN APPETIT!

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