Berlin kocht indisches Linsengemüse bei Seina

Schöneberg

Das gibt es heute

Berlin kocht heute bei Seina, die mitten im schönen Schöneberg wohnt. Sie wird uns heute ein bisschen über ihre Lieblingsecken im Stadtteil erzählen und uns zeigen, wie man ein köstliches, indisches Linsengemüse kocht. >>Das Rezept erfahrt ihr wie immer am Ende des Artikels.

Indisches Linsengemüse

Die S1 ist die längste S-Bahn-Strecke in Berlin und führt einmal von Oranienburg quer durch die Stadt bis an den Wannsee. Wir sitzen an diesem kalten Dezemberabend in unserem molligen Abteil und schielen aus dem Fenster. Die weihnachtlichen Lichter der Stadt rauschen an uns vorbei. Bequem aus dem Warmen betrachten wir das Treiben der Menschen und hätten nichts dagegen, einfach sitzen zu bleiben. Doch wir nähern uns unserem Ziel: Der Winterfeldplatz ist bereits ins Sichtweite. Geographisch befinden wir uns zwischen dem Szene-Viertel Kreuzberg und dem bürgerlichen Wilmersdorf. Vielleicht ist es genau diese Mischung, die Schöneberg am besten beschreibt.

Markt am Winterfeldplatz

Unzählige Cafés und Bistros, die den Winterfeldplatz und die Nebenstraßen säumen, trösten uns darüber hinweg, dass heute kein Wochenmarkt ist. Jeden Mittwoch und Samstag herrscht auf dem sonst recht kargen Platz, ein herrlich buntes Treiben. Die unterschiedlichsten Düfte paaren sich mit der farbenprächtigen Kulisse und betören alle Sinne der Besucher. Obst und Gemüse, Blumen aller Art, Käse, selbstgemachtes Brot, frischen Fisch und vieles mehr gibt es hier zu kaufen. Theoretisch könnte man gleich alle Mahlzeiten des Tages zusammenlegen und sich stundenlang durch das breite Angebot des Marktes schlemmen. Schlemmen werden wir aber auch gleich: Berlin kocht heute bei Seina Mahawech in Schöneberg.

Im Westen lässt es sich gut leben.

Die Auswahl ist groß.

Die Begrüßung unserer ursprünglich aus Mannheim stammenden Gastgeberin ist genauso warm, wie die angenehme Beleuchtung ihrer kleinen Neubauwohnung. Sanfte Jazz- und Soulklänge aus der Anlage vermischen sich mit den köstlich duftenden Gerüchen aus der Küche und versetzten uns gleich in beste Laune. Seina lebt bereits seit drei Jahren in Berlin. Für die Hauptstadt entschied sie sich, wegen ihrer Vielfalt und sprühenden Kreativität. Es wurde einfach Zeit für etwas Neues in ihrem Leben, erzählt sie uns, während sie die Zwiebel in einer Pfanne anschwitzt. Sie arbeitet für die Bundesagentur für Arbeit und ließ sich im Sommer 2013 nach Berlin versetzen.

Seina begrüßt uns herzlich.

Für das Gericht schneidet Seina Frühlingszwiebeln.

Seina wurde in Deutschland geboren, aber ihre Wurzeln liegen in Palästina. Ihre Eltern mussten aus ihrem Land fliehen und in Deutschland von vorne anfangen. Da ist es nicht verwunderlich, dass es der 42-jährigen ein persönliches Anliegen war, ihren Kollegen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unter die Armen zu greifen, um Ordnung in das Chaos zu bringen. Seina wollte einerseits verstehen, was ihre Eltern damals durchlebten und anderseits Kriegsflüchtlingen helfen. Jeder soll die gleichen Chancen haben wie ihre Familie damals. „Einfach zurückgeben, was mir zuteil wurde“, erklärt sie uns, als sie eine Packung Linsen aufreißt, um sie in einer Schale Wasser aufzuweichen. Heute gibt es indisches Linsengemüse.

Unser Interview mit Seina

Hey Seina, was macht du gerade?

Ich habe soeben Schalotten, Knoblauch und Peperoni angebraten. Gleich gebe ich etwas Gemüsebrühe, die Berglinsen und Kartoffeln hinzu. Am Ende entsteht dann indisches Linsengemüse – hoffentlich (lacht). Es ist total leicht zuzubereiten, lecker und obendrein auch noch gesund (lacht).

Warum ist das Gericht für dich etwas Besonderes und gibt es vielleicht eine Geschichte dazu?

Eigentlich nicht wirklich. Ich habe das Rezept gelesen und es einfach ausprobiert. Begeistert war am Ende nicht nur ich, meine Freunde haben sich auch sehr gefreut. Wahrscheinlich, weil man alle damit zufrieden und satt bekommt (lacht)!

Indisches Linsengemüse

Kann man gut in Schöneberg essen gehen? Gibt es vielleicht sogar eine typisch Schöneberger Küche?

Typische Schöneberger Küche? Das kann man gar nicht eingrenzen. Kulinarisch sind in meinem Kiez sämtliche Nationen der Welt vertreten (lacht). Italienisch, arabisch, chinesisch, griechisch, indisch… Wo fängt man an, wo hört man auf (lacht). Toll ist auch, dass alles so nah beieinander liegt. Arabisch esse ich beispielsweise gerne bei Habibi in der Maaßenstraße. Der kleine Grieche Taverna Kreta Minotaurus ist auch urgemütlich. Kleine Lokalität aber großer Geschmack! Vor allem die Bifteki sind sehr lecker. Das esse ich am liebsten dort.

Hast du auch einen Lieblingsladen in Schöneberg?

Ja, das Café Reza gehört zu meinen Favoriten. Eine Bar im französischen Stil der 20er Jahre, ganz toll. Tiefenentspannte Atmosphäre, tolle Leute, super Drinks. Der ganze Kiez trudelt dort früher oder später ein. Meinen Geburtstag habe ich letztes Jahr auch dort gefeiert.

Was magst du am liebsten an deinem Kiez?

Ich mag vor allem die Vielfalt an Menschen in meinem Kiez. Ich meine damit die Tatsache, dass hier jeder einfach so sein kann, wie er ist. Die Schöneberger Szene toppt alle Bezirke in puncto Offenheit und Toleranz. Hier sieht man schon mal einen Transsexuellen, der fröhlich ein Mädchen mit Kopftuch begrüßt oder biedere Beamtentypen, die mit tätowierten Rockern an der Theke zum Feierabend anstoßen. Die Menschen hier verstehen sich nach dem Motto „leben und leben lassen“. Das ist wirklich toll. Trotz Großstadt fühlt man sich wie in einer Kleinstadt. Mein Kiez eben, ein kleiner Ort, in dem ich inmitten der großen Stadt lebe. Ich liebe es hier.

Der Markt am Winterfeldtplatz.

Und Berlin liebst du, weil…

… Berlin mich so sein lässt, wie ich bin. Es ist schon lustig, weil ich ja gar nicht so viel anders lebe als in Mannheim. Dennoch fühle ich mich vollkommen frei in Berlin, das hatte ich bisher in keiner anderen Stadt.

Hast du ein paar Tipps für Neuankömmlinge in Berlin geben können?

Ach, ich würde den Neulingen raten, sich ganz offen der Stadt zu nähern und sich ein eigenes Bild zu machen. Das Vorurteil, dass Berliner so ungehobelt sind, stimmt gar nicht. Wenn man den Menschen hier herzlich begegnet, macht das Zusammenleben in der Großstadt sehr viel Spaß. Außerdem sollten Neuberliner sich nicht nur auf die touristischen Hauptattraktionen konzentrieren, sondern vielmehr den Vibe der Stadt erkunden. Ich bin am Anfang einfach durch die Straßen gelaufen, das verschafft einen viel besseren Eindruck als bei einer geführten Sightseeing-Tour. Der Wochenmarkt auf dem Winterfeldplatz ist allerdings ein Muss. Um die ganz besondere Atmosphäre zu erleben, würde ich empfehlen, den Markt samstags zu besuchen. Man kommt dort leicht ins Gespräch und lernt auf diese Art am besten die Menschen der Stadt kennen. Und lecker ist es auch (lacht)! Wer zum Beispiel eine kleine Stärkung zwischendurch braucht, findet an den Ständen eingelegte Oliven, Thaisüppchen, Pelmenis, Kaiserschmarrn oder Crêpes und noch vieles mehr.

Lieben Dank, Seina! Wir sind schon fast am Ende. Verrätst du uns noch, wie dein persönliches 2017 aussieht? Kommt vielleicht das große Liebesglück?

Das große Liebesglück (lacht)! Ich bin bereits sehr glücklich. Ich liebe meinen Job, meine Freunde sind Gold wert und Berlin ermöglicht mir ein Leben, wie ich es mir immer wünschte. Aber ja, warum nicht, eine neue Liebe im nächsten Jahr wäre der Zuckerguss auf meinem sowieso schon tollen Leben. Wer weiß (lacht)? Vor allem will ich gesund bleiben und die Hauptstadt weiter genießen. Eigentlich habe ich nur ganz einfache Wünsche (lacht). Mehr braucht es ja auch gar nicht.

Seina lässt es sich schmecken.

Das Rezept

Rezept für zwei Personen:
Zubereitungszeit: ca. 30 min

1 Bund Frühlingszwiebeln
3 Tomaten, frisch
1 Mango (klein)
400 g Kartoffeln, festkochend
2 TL Pflanzenöl
1 Zehe Knoblauch
500 ml Gemüsebrühe
50 g Linsen, trocken, Puy-Linsen
50 g Linsen, trocken, rot
1 TL Curry
1 EL Limettensaft
1 Prise Jodsalz
1 Prise Pfeffer
2 EL Magermilchjoghurt, Natur, bis 0,5 % Fett

Zubereitung:
1 .Frühlingszwiebeln und Tomaten waschen. Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden. Mango schälen, das Fruchtfleisch vom Stein schneiden und mit den Tomaten würfeln. Kartoffeln schälen und würfeln.
2. Öl in einer Pfanne erhitzen, Frühlingszwiebelringe mit gepresstem Knoblauch kurz andünsten. Mit Brühe ablöschen, Puy-Linsen und Kartoffelwürfel dazugeben und ca. 15 Minuten köcheln lassen. Rote Linsen dazugeben, mit Currypulver würzen und ca. 10 Minuten garen.
3. Tomaten- und Mangowürfel unterheben und erwärmen. Linsengemüse mit Limettensaft verfeinern, mit Salz und Pfeffer abschmecken und mit Joghurt als Topping servieren.

Indisches Linsengemüse von Seina.

GUTEN APPETIT!

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