Berlin Tipps – Die fotogensten Ecken mit Jörg Nicht

Gastbeitrag

Hier gelingen euch die schönsten Fotos!

Berlin kann sehr groß und überfordernd sein: Das Angebot an Unternehmungsmöglichkeiten scheint minütlich zu wachsen und selbst wenn man seine gesamte Freizeit dafür aufwenden würde, alles abzuklappern, käme man trotzdem nicht hinterher. Damit ihr euch auf die wichtigen Dinge konzentrieren könnt, geben Insider in unserer Reihe Berlin Tipps Anregungen, wo ihr eure freien Stunden verbringen solltet.

Rund um die Schönhauser Allee

Die Schönhauser Allee ist die Pulsader des Prenzlauer Bergs: Verkehr braust Tag und Nacht die Straße entlang. Der S-Bahnhof Schönhauser Allee ist ein zentraler Umsteigebahnhof: Pendler aus Mitte wechseln in die Bahnen nach Norden, Berlinbesucher steigen um in die Ringbahn Richtung Beusselstraße, um dann zum Flughafen Tegel zu fahren.

Die S-Bahn fährt hier unter der Straße. Als Kind hat mich die Frage sehr beschäftigt, wie das sein kann. Die tiefergelegte S-Bahn fasziniert mich, wobei man die beste Sicht von der Greifenhagener Brücke hat. Wir nehmen aber nicht den Weg am Einkaufszentrum vorbei, sondern starten an der Schönhauser Allee 72c und gehen durch ein paar Hinterhöfe. Sie sind nicht unbedingt schön, aber man gewinnt einen Eindruck davon, dass man die Höfe früher durchqueren konnte, ohne die angrenzende Straße zu betreten. Heute sind die Einfahrten in der Regel verschlossen und die Höfe durch Zäune abgegrenzt. In diesem Hinterhaus arbeiten und wohnen Menschen bis heute unmittelbar nebeneinander, wenngleich die Arbeit weniger handwerklich ist als noch vor 100 Jahren.

Geht man durch alle Hinterhöfe, gelangt man auf die Greifenhagener Straße. Über die Gleise führt hier die Greifenhagener Brücke, die mit jugendstilartigen Elementen geschmückt ist. Das Einkaufszentrum, das teilweise über den Gleisen gebaut ist, versperrt den Blick Richtung Nordwesten. Aber die andere Seite ist spannend genug. Die S-Bahnen kommen im dichten Takt. Über die Fernbahngleise rollen langsam die ICEs, die dann im S-Bahnhof Gesundbrunnen die ersten Fahrgäste aufnehmen, um nach Leipzig, München oder Frankfurt zu fahren. Die Bäume am Bahndamm wechseln je nach Jahreszeit ihre Farbe.

Bahngleise an der Greifhagener Brücke.

Von der Brücke führt eine Treppe zum S-Bahnhof, der trotz unmittelbarer Nachbarschaft zum Einkaufszentrum eine eigene Dachkonstruktion besitzt. Insgesamt ist es dort heute eher dunkel.

S-Bahnhof Schönhauser Allee.

Über den Ausgang an der Westseite kommt man wieder zurück auf die Schönhauser Allee. Ich empfehle noch einen kleinen Spaziergang entlang der Bahngleise. Von der Dänenbrücke aus sieht man die Rückseiten der Häuser der Kopenhagener Straße. Sie wirken auf mich, als ob man sie abgeschnitten hätte. Vielleicht gefällt mir dieser Anblick, weil er mich an das Ostberlin der 1980er und 1990er Jahre erinnert.

Die Rückseite der Stadt: Brandschutzmauern und Graffitis.

Wer noch Zeit hat, sollte den Mauerpark besuchen. Eigentlich empfehle ich zwei Besuche. Den ersten morgens, wenn nur die Jogger ihre Runden drehen, Hunde ausgeführt werden und Radfahrer von einem Ende zum anderen rasen. Der Park ist dann eine Fläche, die zum Stadion ansteigt; ein Pflasterweg durchschneidet ihn. Im besten Fall wirkt alles ungepflegt. Den zweiten Besuch empfehle ich an einem Sommersonntag: Junge Leute aus ganz Europa bevölkern die Freilichtbühne und lauschen der Karaoke. Musiker spielen an anderen Ecken Evergreens und Selbstgeschriebenes. Gleich neben dem Park ist ein beliebter Flohmarkt. Voll und laut und quirlig geht es zu.

Park am Nordbahnhof

Was würde Lenné zu solch einem Park sagen? Wege gibt es, ein paar Bäume, meist Birken. Aber keinen gepflegten Rasen, nur ein kleiner Spielplatz, ein paar alte Gleise liegen herum zwischen Schotter. Das soll ein Park sein? Das fragen mich manchmal auch Betrachter meiner Fotos, wenn ich diesen oder den Park am Gleisdreieck zeige. Ja, aber es sind nicht einfach Parks, die eine eigene Natur konstruieren, vielleicht bestückt mit Bäumen von anderen Kontinenten, künstlichen Hügeln und Sichtachsen. Vielmehr sind es Parks, die Geschichten erzählen vom Verkehr im Berlin bis 1945 und von der Teilung der Stadt.

Auf den ersten Blick nur Birken: Die Geschichte des Ortes ist etwas verborgen.

Am besten lässt sich der Park verstehen, wenn man vom S-Bahnhof Nordbahnhof kommt. Direkt davor, auf dem Elisabeth-Schwarzhaupt-Platz, wo die vielen Pendler von der Straßenbahn zur S-Bahn und zurück hasten, sollte man stehenbleiben. Der nördliche Eingang zur S-Bahn thront über dem Platz, weil die Fernbahngleise früher höher lagen. Wer seinen Blick auf das Pflaster des Platzes richtet, sieht Gleise. Dazwischen sind Tafeln von Orten eingelassen, zu denen man vom Nordbahnhof, der bis 1950 Stettiner Bahnhof hieß, fahren konnte. Hier war einer der größten Kopfbahnhöfe der Stadt. Heute ist nur noch die S-Bahn in Betrieb. Der Fernverkehr wurde schon 1952 eingestellt, das Bahnhofsgebäude wurde wegen Kriegszerstörungen und der geographischen Lage abgerissen, denn Teile der Strecke zum Bahnhof führten durch West-Berlin.

Klar gegliedert und schlicht: S-Bahnhof Nordbahnhof.

Wenn man die Julie-Wolfthorn-Straße überquert, gelangt man direkt zum Park am Nordbahnhof. Auf der rechten Seite, die an die Gartenstraße grenzt, sieht man noch einige Gleise liegen. An dieser Seite befand sich der Güterbahnhof samt Güterschuppen und Ladestraße. Zwischen 1961 und 1989 gehörte das heutige Parkgelände zu den Grenzanlagen. Was an Bäumen gewachsen ist, ist erst seit dem Mauerfall gewachsen. Hier überlagern sich Verkehrsgeschichte und die Geschichte der deutschen Teilung. Dass beides zu sehen ist, macht für mich den Reiz aus und den Park zu einer meiner Lieblingsecken.
Schöne Stahlkonstruktion: Die Liesenbrücke.

Wenn man Richtung Norden geht, sieht man die S-Bahn aus ihrem Tunnel kommen und rechterhand eine Stahlbrücke, die Liesenbrücke. Sie ist sicher das fotografische Highlight dieses Ortes. Und unter diese Brücke ist ein Kreisverkehr. Die Reklametafeln an den Brückenpfeilern wirken jedoch etwas deplatziert.

Berlin Dahlem: FU Campus

Eine weitere Lieblingsecke liegt etwas außerhalb, zumindest wenn man in der Berliner Innenstadt wohnt: Dahlem. Ein Teil des dort gelegenen Campus der Freien Universität bildet ein einmaliges Ensemble von Bauten, die in der Nachkriegszeit für die neu gegründete Universität geschaffen wurden. Der Geist der Hochschule, die als Gegenentwurf zur Humboldt-Universität im Ostteil gedacht war, sollte sich auch in den Gebäuden ausdrücken. Oder sollten die Bauten die Gedanken der Wissenschaftler_innen beflügeln? Auf jeden Fall sind Gebäude entstanden, zu denen sich zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter ein Abstecher lohnt.

Der erste Neubau des FU-Campus: Die Mensa Van’t-Hoff-Straße 6.

Ich empfehle, den Spaziergang vor der Mensa Van’t-Hoff-Straße 6 (Veggie No 1 – die Grüne Mensa) zu beginnen. Das Gebäude bildet den westlichen Abschluss des neuen Campus der FU Berlin. Es war der erste Neubau und wurde 1953 nach Entwürfen von Hermann Fehling und Peter Pfankuch fertig gestellt. Man erkennt gut, dass der Bau im Wesentlichen den Prinzipien der Bauhaus-Tradition folgt. Den besten Blick auf die anderen Gebäude hat man vom ersten Stockwerk aus – das ist meine Lieblingssicht. Geradeaus blickt man auf den Henry-Ford-Bau, links auf die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät und rechts auf die juristische Fakultät, die in Bungalows mit hohen Fenstern untergebracht ist. Es ist ein Park, in dem Wissenschaftsbauten stehen. Wer Richtung Nordosten laufen würde, findet einen parkähnlichen Streifen mit Wissenschaftsbauten bis hin zu den Gebäuden der Naturwissenschaften. Unterbrochen wird dieser Park durch die sogenannte Rost- und Silberlaube. Den Henry-Ford-Bau sollte man sich genauer anschauen: Eine lichte Betontreppe führt scheinbar ins Nirgendwo. Die Vorlesungssäle haben große Fenster, damit man hineinschauen kann – oder hinaus.


Über Jörg Nicht

joerg-nicht

Jörg Nicht ist Reise- und Street-Fotograf und hält seine spannenden Bilder auf seinem Instagram-Account und seinem Blog fest. Auch auf Facebook kann man ihm folgen. Der gebürtige Görlitzer fängt auf seinen Bildern beeindruckend schöne und ruhige Momente in einer sonst so turbulenten Stadt ein.

whatsapp-broadcast-banner

Das könnte dich auch interessieren:


Berlin Tipps – Gemütlich durch den Winter mit Sophia Hoffmann

Foodbloggerin und veganes Multitalent Sophia Hoffmann nimmt uns mit zu ihren Berliner Lieblingsecken und verrät uns, wie sie den Winter übersteht.


Berlin Tipps – Kulinarische Stadttour mit der Berliner Speisemeisterei

Wo finde ich die besten Restaurants in Berlin? Unser Gastautor Steffen Sinzinger von der Berliner Speisemeisterei hat euch seine Tipps zusammengefasst.


Berlin Tipps – Richtig essen mit Ada Kreuzberg

Social Media Queen Ada Kreuzberg kennt das kulinarische Berlin wie ihre Westentasche. Daher gibt sie uns wertvolle Tipps, wo wir essen gehen sollten.

Fahrplan und Routenplaner

Finde mit dem Routenplaner deinen schnellsten Weg zu unseren Ausflugszielen

Share This