Neurotitan – Subkultur in Mitte

Entlang der S5 – Im Komfort-Ring: Hackescher Markt

Direkt neben den Hackeschen Höfen gibt es diesen einen „Graffiti-Hof“ von dem irgendwie niemand so richtig weiß wie er heißt. Wenn er denn überhaupt einen Namen hat. Auch hier wimmelt es immer vor Menschen, die in den Hof strömen, um vor allem die Street-Art zu bewundern. An den Wänden prangen bunte Bilder von Berliner Street-Art Ikonen und internationalen Künstlern – so zum Beispiel Little Lucy von El Bocho oder das Eis am Stiel von Senor Schnu. Abgesehen von der Kunst an den Wänden, gibt es in diesem Hof, der irgendwie so gar nicht in die Gegend passt, noch einiges andere zu entdecken. Denn generell gilt in der Stadt der Hinterhöfe: einfach mal reingehen und schauen was passiert.

Spiegel der Berliner Subkultur

Ganz hinten in besagtem Hof, im Haus Schwarzenberg, ist das Neurotitan. Eine Fusion aus Artshop und Galerie, die der Schwarzenberg e.V. als das „pulsierende Herz“ bezeichnet. Es ist im ersten Stock des Hinterhauses und spätestens nach dem Aufgang durch das bunte Treppenhaus, das mit Paste-Ups, Tags, Stickern und Graffitis übersät ist, fühlt man sich ganz weit weg von Mitte. Ein bisschen wie ein Portal in eine andere Welt – gedankliches Verreisen für eine kurze Zeit, weg vom Mitte-Mainstream, obwohl man geographisch gesehen eigentlich mittendrin ist. Vor dem Eingang in das Neurotitan hängt ein großes Schild mit einer durchgestrichenen Kamera. Das hat mittlerweile Tradition in Berlin. Egal ob Smartphones und Kameras eingesackt, abgeklebt, eigetütet oder einfach nicht benutzt werden dürfen – es herrscht ein allgegenwärtiges Fotoverbot. Die Intention der Laden- und Clubbesitzer mögen hier vielleicht ganz unterschiedlich sein. Doch eine gute Sache bringt diese Keine-Fotos-Politik auf jeden Fall mit sich: Die Menschen werden quasi zum wahren Erleben gezwungen. Es geht nicht darum Momente und Orte zu archivieren, um den perfekten Insta-Schein aufrecht zu erhalten, sondern darum sich mit den Dingen und Momenten, die jetzt gerade passieren, auseinanderzusetzen, sich die Dinge anzuschauen und anderen davon zu erzählen, anstatt einfach nur plump ein Foto zu posten.

Elektronische Forschungsreise

Und genau dieses bewusste Anschauen lohnt sich vor allem an Orten wie dem Neurotitan. Der Artshop ist eine bunte Explosion aus unterschiedlichsten Angeboten. Nach eigener Aussage ist der Shop ein „Umschlagplatz für experimentelle und ungewöhnliche Waren“. Es gibt elektronische Musik von kleinen Labels und elektronische Genres von denen man gar nicht wusste, dass sie existieren. Musiktechnisch fühlt sich das Neurotitan auf jeden Fall an wie eine Expedition in die unergründeten Tiefen elektronischer Tanzmusik.

Seitenweise Design-Träume

In der Bücherecke des Ladens finden sich vor allem Fachbücher zu Grafikdesign, Illustrationen und Publikationen über Urban- und Street-Art. Hierzu gehören auch Raritäten, die nur in geringer oder sogar limitierter Auflage erschienen sind. Sozusagen die Schatzkitze für Grafik-Nerds. Die Schmöker wirken alle wie Kunstwerke, die ein junger Layout-Gott entworfen haben muss. Beim Blättern durch die Seiten vergisst man vollkommen die Zeit und den Fakt, dass man jetzt eigentlich alles fotografieren würde. Stattdessen taucht man tief ein in die Welt von hochkarätigem Design, Pixeln, Schriftschnitten und Farbverläufen. Und auch Menschen, die mit der Materie so überhaupt gar nichts zu tun haben – ich – können sich durchaus in den Werken verlieren und kurz davon träumen, dass sie irgendwann vielleicht auch mal in der Lage sein werden etwas Vorzeigbares zu layouten.

Für die, die Grafikdesign überhaupt gar nicht ansprechend finden und auch nicht gewillt sind, der Sache eine Chance zu geben, hat das Neurotitan eine Menge schöne und vor allem interessante Comics und Literatur parat, die man in gängigen Buchhandlungen wahrscheinlich niemals in die Hände bekommen würde.

Kunst für die Wand

An den Wänden des Neurotitan hängen eine Menge schöne, bunte, teilweise abgedrehte, aber auf jeden Fall immer sehr kunstvolle Prints. Laut Neurotitan und Schwarzenberg e.V. stammen alle Kunstwerke in den Räumlichkeiten von „junge[n] Künstler[n], die sich im Spannungsfeld von Experiment, Subkultur und anerkanntem Kulturbetrieb bewegen“. Wer sich, wie ich, schlagartig blickverliebt, kann sich einen Print mit nach Hause nehmen und ein Stück Berliner Zeitgeist in die eigenen vier Wände bringen.

Galerie und Vernissage

Im hinteren Teil des Stockwerks ist die Galerie des Neurotitan. Hier hängen in regelmäßigen Abständen Werke von eher unbekannten Künstlern und Newcomern, die sich zwischen Avantgarde und Subkultur bewegen. Der Schwarzenberg e.V. möchte mit der Galeriefläche diesen jungen Künstlern die Chance geben ihre Werke auszustellen – so beispielsweise das Künstlerkollektiv Quintessenz, das bei der Gruppenausstellung „Current Habits“ mit den Künstlern Kera1, Johannes Mundinger und Julia Benz ausgestellt hat. Der Zugang zur Galerie ist kostenlos und auch hier kann man die Zeit sehr schnell vergessen, wenn man sich auf die Kunstwerke einlässt. Jede neue Ausstellung im Neurotitan wird mit einer Vernissage eröffnet, die in der Regel kostenlos zugänglich ist. Neben den Ausstellungen wird die Fläche als Space für Konzerte, Lesungen, Performances, Screenings und Kooperationen mit diversen Festivals genutzt.

 

Quellen: http://www.neurotitan.de/Galerie/galerie_start.html , http://haus-schwarzenberg.org/die-mieter/schwarzenberg-e-v/neurotitan-galerie-und-artshop/

 

Neurotitan Shop & Gallery |Rosenthaler Str. 39 | 10178 Berlin

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