#Berlinconnect: Charlottenburger und Friedrichshainer – ein Herz und zwei Seelen

Berlin ist bunt und vielfältig. Jeder Kiez ist wie eine Stadt in der Stadt – hat ein eigenes Herz, eine eigene Seele, eine eigene Identität; und ist doch nur ein paar S-Bahn-Station entfernt. Doch worin liegen die Unterschiede der Kiezbewohner, worin die Gemeinsamkeiten? Nehmen wir mal Charlottenburger und Friedrichshainer – konträrer könnten zwei Kieze nicht sein. Das eine ist das „alte Berlin“, wo man am Savignyplatz herausgeputzt noch Zeitung aus Papier liest. Das andere ist dreckig und laut, rotzfrech wie eine Berliner Göre und daher so schillernd und verführerisch.

Doch stimmt das wirklich – oder sind das Klischees? Wie sehen die Charlottenburger und Friedrichshainer das eigentlich? Und sind sich die beiden Kieze vielleicht verwandter, als man zunächst annehmen mag. Wir haben vier Kiez-Bewohner gefragt.

Dürfen wir vorstellen...

… Corinna, PR-Profi und Kiez-Göre aus Friedrichshain. Zugezogen, versteht sich.

Corinna_MG_2541(1)

… Kevin, herausgeputzter Finanzberater und Liebhaber von bunten Socken aus Friedrichshain. Gebürtiger Ur-Berliner aus Köpenick! (Mit Ausrufezeichen)

Kevin_Goebel_unnamed

… Bella & Chrissi, eine schöner als die nächste. Kürzlich sind die beiden gebürtigen Berlinerinnen zusammen nach Charlottenburg gezogen. Chrissi ist Friedrichshainerin im Herzen, Charlottenburgerin im Kopf. Bella wiederum liebt Berlin, will aber dennoch die Welt erkunden.

Bella-und-Chrissi-Athen

… Fin, Kanu-Polo spielender Lichttechniker in der Film- und Fernsehbranche aus Charlottenburg. Beziehungsstatus: Berliner.

Fin Ole Langer - IMG_3123

Beschreibe uns den Prototyp des Friedrichshainers

Chrissi: „Keiner ist gemeiner als der Friedrichshainer“ – wie man so schön sagt. Aktuell würde ich ihn als Manbun tragenden, Mate trinkenden, Zugezogenen hipster beschreiben. Als gebürtige Friedrichshainerin würde ich sie als junge familienorientierter Kiez-Patrioten beschimpfen, da ich selber gerne von „meinem Kiez“ spreche, wo mein Herz und noch heute oft meine Seele baumelt (und tanzt – denn hier ist noch immer viel los).

Corinna: Der Friedrichshainer ist ein bisschen lauter, nicht unbedingt nur in der Stimme, sondern in dem was er ausdrückt und wie er sich ausdrückt. Er lässt sich nicht gerne was sagen und kämpft für seine Ideale. Dabei ist er hilfsbereit, kennt seine Nachbarn. Es stört ihn nicht, wenn Sperrmüll auf der Straße steht, weil es dadurch anderen kostenfrei zur Verfügung gestellt wird – oder man im Sommer drauf lümmeln kann.

Kevin: Offenheit und Weltgewandtheit: Das sind die beiden Attribute, die ich mit dem Friedrichshainer in Verbindung bringe. Wobei das schöner an den Kiezbewohnern ist, dass sie wandelbar sind und zugleich entspannt. Friedrichshain ist kein Status Quo.

Friedrichshain_Hausbesetzer

Und wie beschreibt ihr den Charlottenburger?

Kevin: Der Charlottenburger steht im Leben – und zwar mit beiden Beinen und einem fokussierten Horizont. Ich schätze ihn auf Mitte 30 oder älter. Er strebt nach einer hohen Lebensqualität, daher ist er ein Charlottenburger.

Corinna: Charlottenburg ist die bessere Mitte Berlins – gesellschaftlich betrachtet. Der Charlottenburger arbeitet viel, verdient gutes Geld, wirkt dabei aber nicht sonderlich glücklich. Er beugt sich den Erwartungen der Gesellschaft, um seine Familie zu versorgen und ihnen ein sicheres Leben bieten zu können, hat eine Lebensversicherung und einen Bausparvertrag für die Kinder. Ich würde ihn tendenziell als spießig bezeichnen.

Bella: Für mich ist der Charlottenburger ein entspannter, bodenständiger Mensch, der im kreativen Denken etwas eingeschränkter ist und der gerne seine ruhigen Teile der Stadt in der Nähe hat, aber auch nicht lange zum Stadttrubel braucht.

Fin: Der echte Charlottenburger ist natürlich in Charlottenburg geboren und dort aufgewachsen. Er genießt die vielen ruhigen Nebenstraßen ohne Touristentrubel und findet um Einkaufen alles auf der Wilmersdorfer Straße.  Der Charlottenburger joggt um den Lietzensee oder im Schlosspark und ist froh über die vielseitige S-Bahn-Anbindung – sollte der Familien-Kombi mal streiken oder die Straße wegen eines Marathon gesperrt sein.

Charlottenburg_Schloss

Warum lebst du in eben deinem Kiez – und nicht einem anderen?

Corinna: Meine Schwester hat nach dem Abitur in Berlin studiert und schon damals in Friedrichshain gewohnt. Bei meinen Besuchen habe ich mich in die Stadt verliebt, woran Friedrichshain nicht ganz unschuldig ist. Ich bin kürzlich das dritte Mal in Berlins umgezogen und dem Kiez weiter treu geblieben. Ich mag den Osten der Stadt, ich mag wie er sich entwickelt hat, ich mag das Stadtbild und die Menschen. Für mich sind sogar die Platten im Osten schöner als im Westen.

Bella: Ich bin hier in Charlottenburg aufgewachsen, hab die schönen Ecken kennen und lieben gelernt, finde die Leute sind eine richtig ausgewogene Mischung aus Jung und Alt. Und hier haben wir noch eine große, bezahlbare Wohnung gefunden …

Fin: In Charlottenburg muss ich mich abends, wenn ich nach Hause komme, nicht durch betrunkene, feierwütige Menschenmassen kämpfen. Und ich kenne die meisten meiner Nachbarn persönlich (und das nicht nur, weil sie hin und wieder meine Pakete annehmen).

Zieht es dich manchmal rüber in den anderen Kiez? Und wenn ja, warum?

Kevin: Sehr oft sogar! Freunde von mir leben im Westten. Auch einige tolle Geschäfte und Veranstaltungen hat Charlottenburg. Persönlich finde ich, dass der Westen mehr Lebensqualität als der Osten bietet.

Fin: Wenn es mich doch mal ins Partyleben zieht, dann ist die Auswahl an Partymöglichkeiten im Osten deutlich größer. Im Westen muss man sich zum Feiern in der Regel schick anziehen, um dann teure Drinks zu bestellen. Im Osten hingegen geht man feiern um des Feierns wegen, und nicht um gesehen zu werden.

Cori: Nur wenn bei meinen Freunden im Westen ein Geburtstag ansteht. Oder ich berufliche Termine habe. Oder wegen eines bestimmten Ladens, den der Oste nicht hat – wie das KaDeWe.

Bella: Ja, klaro. Immer wieder! Die super Restaurants und Cafés, die Bars und Clubs und die super coolen Freunde ziehen mich ständig nach Friedrichshain.

Kiez hin oder her: Warum liebst Du Berlin?

Corinna: Ich bin aufgewachsen in einem kleinen Dorf mit 750 Einwohnern im Idyllischen Ostwestfalen. Dort kann jeder jeden, und ich fiel gerne mal auf. Meine Tops waren zu eng, meine Röcke zu kurz und meine Haare zu bunt. Hier in Berlin genieße ich die Freiheit, die dir nur eine Hauptstadt bieten kann. Es ist noch so viel Raum für Entwicklung und Kreativität.

Bella: Wie könnte man es nicht lieben?!? Jede Ecke hat etwas Besonderes, zwischen cool und uncool liegt hier in Berlin nur ein ganz schmaler Grat.

Chrissi: Berlin ist mehr als eine Großstadt für mich. Es ist eine Lebenseinstellung. Ich habe schon in vielen Stadtteilen gelebt und ich liebe sie alle: Neukölln ist mein Istanbul, Steglitz ist mein Haus am See, Charlottenburg mein aktueller Rückzugsort und Friedrichshain mein Herz. Woanders gibt’s die Sperrstunde, bei uns die Müllabfuhr!

Fin: Die von vielen nicht-Berlinern unverstandene oder gehasste Berliner Schnauze ist einzigartig und man fühlt sich direkt zuhause, wenn man vom Flughafen mit dem Bus nach Hause fährt und der Busfahrer jemanden freundlich bellend darauf hinweist, den Türbereich frei zu machen.

Kevin: Weil Berlin die Stadt der großen Horizonte und der polarisierenden Gefühle ist.

 

Deine S-Bahn Berlin & DAS B

#Bkenntnis

Fahrplan und Routenplaner

Finde mit dem Routenplaner deinen schnellsten Weg zu unseren Ausflugszielen

Share This