Duftes Berlin

Berlin ist manchmal wie ein Kleiderschrank voll mit nichts anzuziehen: Man ist ständig unterwegs und macht doch oft irgendwie das Gleiche. „Entlang der…“ ist ein buntes Sammelsurium an kleinen Kuriositäten und nicht ganz alltäglichen Aktivitäten in Berlin. Einfach, um mal wieder was Anderes zu unternehmen. Und das Beste für die Bequemlichkeit: alles ist erreichbar mit der S-Bahn und ein paar gesunden Fußschritten. Adé, chronische Langeweile :*

 

Entlang der S5 – Im Komfort-Ring: Charlottenburg

Die Berliner Kantstraße ist für viele Klein-China-Town. Allerdings hat die Kantstraße noch einiges mehr zu bieten als eine Vielzahl an asiatischen Restaurants und Shops. In der Nähe des S-Bahnhofs Charlottenburg ist ein echtes Berliner Original versteckt: Harry Lehmann – Parfum nach Gewicht. Der Laden, der Berlin in einem Duft darstellt.

Parfumtradition seit 1926

Harry Lehmann eröffnete seinen ersten Laden 1926 auf der Potsdamer Straße und musste seitdem mehrmals innerhalb Berlins umziehen. Von Friedrichstraße über Neukölln zum Zoo und dann 1958 in die Kantstraße 106, wo sich der Laden bis heute befindet. Zwischenzeitlich hatte Harry Lehmann sogar eine Filiale in Frankfurt am Main, die aber heute nicht mehr existiert.

Guter Riecher für Geschäfte

Harry Lehmann legte schon immer Wert auf die Qualität seiner Düfte, die aus Ätherischen Ölen gewonnen werden. Um dennoch einen passablen Preis für seine Kunden anbieten zu können, entschied er sich dazu gänzlich auf teure Verpackungen und Werbung zu verzichten. Dieses Kredo wird bis heute verfolgt, was dazu führt, dass viele Berliner den Laden nicht kennen. Nichtsdestotrotz hatte Herr Lehmann einen guten Geschäftssinn und erdachte sich einfach seine hauseigenen Promo-Aktionen: Vor dem Laden in der Joachimsthaler Straße, der von 1952 bis 1958 existierte, installierte er einen Tropfer, an dem man kostenlos und rund um die Uhr tröpfchenweise den Tagesduft testen konnte. Laut Website des Ladens, gibt es diesen Tropfer noch immer und er soll auch wieder zum Einsatz kommen – bleiben wir gespannt.

Düfte und Blüten

Das Besondere und auch irgendwie absurde in dem Laden selbst ist die Aufteilung und das Angebot. Links Parfum, recht Plastikblumen. Betritt man die rechte Hälfte des Ladens, befindet man sich in einem kunterbunten Blumenmeer. Zwar duften die Plastikblumen nicht selbst, dafür strömt aber der Duft der anderen Ladenseite herüber und man fühlt sich wie in der Experimentierküche von Süskinds Jean-Baptiste Grenouille.

Parfum nach Gusto – doch leider nicht mehr nach Gewicht

Der Name „Harry Lehmann – Parfum nach Gewicht“ ist leider nur noch ein Relikt aus alten Tagen. Während man damals die ausgewählten Düfte wirklich nach Gewicht bezahlte, ist dieses Vorgehen heute leider nicht mehr erlaubt. Was aber bleibt sind die vielen unterschiedlichen Düfte, die man als Eau de Parfum oder Eau de Cologne kaufen kann. Die Parfums werden in Apothekerflaschen gelagert und können allesamt getestet werden. Die Range des Angebots reicht von blumigen Maiglöckchen über orientalisches Patchouli bis hin zu „grünen Düften“, die aus Moosen und Gräsern gewonnen werden.

Berlin als Duft – nicht nur als Souvenir

Wer sich fragt wie Berlin riecht, denkt oft an siffige Ecken, verrauchte Clubs und stinkende Straßen. Die Schwarmintelligenz wird sich wohl darauf einigen können, dass Berlin, würde man es in einen Duft packen, eher kräftig, kantig und irgendwie anders riechen würde. Bei Harry Lehmann wurde dieser Duft – meiner Auffassung nach – genau auf den Punkt getroffen. Das „L’eau de Berlin“ ist ein Eau de Cologne und wird als „modern, intensiv, spritzig, frisch“ beschrieben – alles Attribute, die zum Zeitgeist Berlins passen. Mit 5,00 € pro 100 ml ist der Duft sogar mehr als erschwinglich und allemal einen Versuch wert.

Nachhaltigkeit – made in 1926

Was die ganzen Unverpackt-Läden in der Hipster-Bubble erst seit einigen Jahren entdeckt haben, macht Harry Lehmann schon seit Anbeginn seines Geschäftes: Wer ein Parfum, ein Eau de Cologne oder ein Aftershave haben möchte, kauft nicht nur den Duft, sondern auch die Flasche oder den Zerstäuber. Diese Duft-Behältnisse können und sollen sogar zum Auffüllen beim nächsten Besuch mitgebracht werden. In Sachen Bewusstseins-Credibility spielt Harry Lehmann mit seinen Parfums also ganz vorne mit.

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